Deichtorhallen
Impressionen Vernissage
Japanische Kunst ist seit Jahrhunderten in Modewellen nach Europa gelangt:

Zur Zeit August des Starken war es das feine Porzellan aus Arita, Marie-Antoinette liebte wie viele ihrer Standesgenossen delikate Lackarbeiten, die Impressionisten ließen sich vor allem von japanischen Farbholzschnitten begeistern.

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Im 20ten Jahrhundert folgten andere Wellen:
Mark Tobey und Hans Hartung waren vom kalligrafischen Duktus zenbuddhistischer Tuschemalerei inspiriert, ganze Generationen von Töpfern folgten den Spuren von Hamada Shoji und Bernhard Leach.

Neben der allerjüngsten Manga-Welle hat auch das japanische "Kurzgedicht"

Impressionen Vernissage
Haiku in den letzten Jahren eine beträchtliche Ausstrahlung auf die intellektuelle Szene der westlichen Welt ausgeübt. In diesem Kontext sind die Bildobjekte des in Berlin lebenden Künstlers Michael Ferwagner zu sehen. Weit entfernt von der wilden Entschlossenheit dichtender deutscher Hausfrauen, sich den siebzehn Silben des Haikus zu nähern, geht es Ferwagner um eine subtile künstlerische Annäherung und Umsetzung. "Es begeistert mich", sagt Ferwagner, "wie in den drei Zeilen eines Haiku ein Hauch von Ewigkeit sichtbar wird."

Sein Zyklus von 36 Arbeiten zum Thema "Haiku" ist in 4 Jahren zwischen 1997 und 2001 entstanden. Die Arbeiten haben ein einheitliches Format von 42 x 53 x 9 cm. Es sind dreidimensionale Objekte, die in einem Abstand von fünf Zentimetern zur Wand gehängt werden, was den Arbeiten ihren schwebenden Charakter verleiht.

Impressionen Vernissage
Stetig wiederkehrende Elemente sind aufmontierte Holztafeln, mit Japanpapier bezogen und mit Strukturlasuren bearbeitet. Mitunter tauchen auch monochrome Samtflächen auf. Oftmals scheinen die Jahresringe der Holzmaserung durch die Farblasuren, was den Eindruck von Natürlichkeit ebenso unterstreicht wie die Verwendung organisch gewachsener Materialien wie z.B. ein Stück verwittertes Holz.

Alle Elemente dieser Arbeiten sind in vertikaler und horizontaler Anordnung zusammengefügt, was wiederum den Eindruck von formaler Strenge und Disziplinierung unterstreicht. Die Anordnung von zwei Vertikalen und einer Horizontalen im unteren Bildbereich korrespondiert auf natürliche Weise mit der Dreizeiligkeit des Haiku und bringt eine durchgehende Rhythmisierung und Musikalität in alle Arbeiten.

Impressionen Vernissage
Die Dreidimensionalität im Aufbau, dazu der bewusste Verzicht auf ungebrochene Farben gibt den Arbeiten bei Beleuchtung durch Sonnenstrahlen oder künstliche Lichtquellen einen weiteren Reiz: Es ist das Spiel des Lichts und der4 Schatten, von dem Tanzaki Junichiro in seinem Entwurf einer japanischen Ästhetik sagt: "Schönheit ist nicht in den Objekten selbst zu suchen, sondern im Halbdunkel, im Schattenspiel, das sich zwischen den Objekten entfaltet."

Dr. Karl Hennig
Hamburg, Mai 2003

Impressionen Vernissage
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