

In der Frühzeit saßen die Menschen im Winter in ihren Höhlen am Feuer und zeichneten ihre Schatten mit Pigmenten an die Felswände. Sie waren fasziniert von der Projektion ihrer eigenen Figur, die dabei entstand, ihre Phantasie entzündete sich an den entstanden Bildern. Daraus entwickelte sich die Wahrnehmung der eigenen Person, man stand plötzlich sich selbst, seinem Abbild gegenüber.
Die Bildobjekte und Plastiken von Ute Reichel knüpfen an diese Tradition an. Als Thema steht hierbei immer der Mensch in seinen verschiedenen Befindlichkeiten im Mittelpunkt. Der Mensch als Archetyp, in Bewegung, im Aufbruch. In diesen Arbeiten werden menschliche Silhouetten voll Bewegung und innerem Ausdruck choreographisch in einen lebhaften Dialog gesetzt. Sie verlassen ihre Bildträger und treten in den Raum. Das Individuum gerät in Bewegung, tritt in den Dialog mit anderen Individuen.
Ute Reichels eigener Stil hat sich aus der langjährigen Beschäftigung mit Malerei, vor allem der Portraitmalerei entwickelt. Beeinflußt durch einen zweijährigen Studienaufenthalt in Indonesien dem Land des Schattenspieltheaters und durch ihre Linolschnitteditionen fand sie über Papiercollagearbeiten zu einer eigenen Bildsprache. In dieser verbindet sie plastische Silhouetten und deren Schattenwirkung mit klassischer Malerei.
Ute Reichel lebt als freie Künstlerin in Hamburg. Dort hat sie für das Rathaus eine größere Portraitserie von Hamburger Senatorinnen geschaffen, die auch als Buch publiziert wurde.

Blaue Madonna, 2008
